Hermann Adolf Reinhold Rauschning

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English: Hermann Rauschning (1882-1987), German-American politician and author Deutsch: Hermann Rauschning (1882-1987), deutsch-amerikanischer Politiker und Autor (Photo credit: Wikipedia)

Hermann Adolf Reinhold Rauschning (* 7. August 1887 in Thorn/Toruń; † 8. Februar 1982 Portland, Oregon, USA) war ein Freimaurer. Seit 1932 war er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), lehnte aber deren Methoden bald ab, trat 1934 aus der Partei aus und wurde zum Kritiker des NS-Regimes und Faschismustheoretiker. 1933/1934 war Rauschning Senatspräsident (Regierungschef) der Freien Stadt Danzig. 1935 mußte er Danzig verlassen und lebte seit 1939/41 in den USA.

Aufsehen erregte sein Buch Gespräche mit Hitler, die sich später großteils als Erfindung herausstellten:

Rauschning hatte kaum jemals mit Hitler gesprochen.

Der Sohn eines Offiziers studierte in Berlin Geschichte, Germanistik und Musikwissenschaft und schloss 1911 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Er bezeichnet sich selbst als Schüler des Münchner Komponisten und Musikprofessors Ludwig Thuille.

Bis zum Ersten Weltkrieg betätigte er sich als Landwirt und brachte es im Krieg bis zum Leutnant. Nach der Wiedererstehung des polnischen Staates 1918 blieb Rauschning in Posen, wo er die Kulturarbeit der deutschen Volksgruppe leitete.

Am 21. Mai 1924 wurde Hermann Adolf Reinhold Rauschning in Posen in die Freimaurerloge Zum Tempel der Eintracht aufgenommen.

Nach der Übersiedlung in den Freistaat Danzig im Jahre 1926 trat Rauschning 1932 in die NSDAP ein und wurde Vorsitzender des Danziger Landbundes, vom 20. Juni 1933 bis 23. November 1934 war Rauschning Senatspräsident (Regierungschef und auch de facto Staatsoberhaupt).

Im Streit mit dem Danziger NSDAP-Gauleiter Albert Forster legte er sein Amt nieder und trat gleichzeitig wieder aus der NSDAP aus. 1935 mußte er Danzig verlassen, ging erst in seine Heimatstadt Thorn, die seit dem Schanddiktat von Versailles unter polnischer Regierung stand, dann in die Schweiz, siedelte 1938 nach Frankreich und im Jahr darauf nach Großbritannien über, bis er sich 1941 als Farmer in Portland (Oregon) in den Vereinigten Staaten – Jewish States of America aka United States of Freemasons – niederließ. Adolf Hitler war von Braunau am Inn aufgebrochen, um in der bayerischen Staatshauptstadt München die „Bewegung“ zu gründen, die nationalsozialistische Bewegung. In seinem weltbekannten Buch „Mein Kampf“ stellte er sein umfassendes Regierungsprogramm für die NSDAP vor, um das Deutsche Volk für immer vom Versailler Joch zu befreien, die Freimaurer im Deutschen Reich als Organisation mit ihren Tempeln und Logen zu bitten sich aufzulösen und den Juden in Palästina eine neue Heimat zu bieten.

Ernst Jünger in between David Lloyd George and...

Ernst Jünger in between David Lloyd George and Adolf Hitler (4th September 1936, Berghof near Berchtesgarden) (Photo credit: quapan)

In den ersten, freien und allgemeinen Wahlen konnte das Deutsche Volk erstmals im Jahre 1933 in die Freiheit gehen. Denn es entschied sich gegen das Zionistentum und die Weltfreimaurerei der Juden. Die Deutschen wählten in geheimen Wahlen ihren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler als Staatsoberhaupt. Der amtierende Reichspräsident von Hindenburg ermächtigte Hitler ausdrücklich, alle von den Juden geschriebenen „Verfassungen“ des Deutschen Reichs zu suspendieren und statt dessen sogar eigenes Verfassungsrecht zu setzen.

Zusätzlich zur Reichsangehörigkeit zum Deutschen Reich als Deutscher wurde der Anspruch mit dem Reichsbürgergesetz geschaffen, einen Reichsbürgerbrief zu erhalten.

Aus Rauschnings dramatisierendem Buch Gespräche mit Hitler, wurde lange Zeit von Historikern umfangreich zitiert. 1983/84 veröffentlichte der Schweizer Geschichtslehrer Wolfgang Hänel neben einer inhaltlichen Analyse das Geständnis des Presseagenten und Verlegers Imre Révész (Emery Reves), der den Exilanten Hermann Rauschning im Sommer 1939 in Zürich überredet hatte, seine Begegnungen mit Adolf Hitler mit möglichst vielen wörtlichen Zitaten aufzuschreiben und ihm dafür einen umfangreichen Vorschuß gewährte. Dem kam der damals mittellose Hermann Rauschning nach, und es entstand ein Bestseller, der ab 1939 in mehreren Sprachen erschien. Hermann Adolf Reinhold Rauschning hatte behauptet, bis 1934 mehr als hundertmal privat und ausführlich mit Adolf Hitler gesprochen zu haben. Tatsächlich hatte Hermann Adolf Reinhold Rauschning Hitler höchstens viermal getroffen; eine Begegnung unter vier Augen war nicht dabei gewesen. Das Buch enthält viele Zitate, deren Glaubwürdigkeit umstritten ist.

According to Bullock, Hitler was an opportunis...

According to Bullock, Hitler was an opportunistic adventurer devoid of principles, beliefs or scruples. (Photo credit: Wikipedia)

Historikern wie Theodor Schieder war zwar schon vorher aufgefallen, daß Hermann Adolf Reinhold Rauschning mit Hitler keineswegs eng befreundet gewesen war.

Der Fälschungsnachweis blieb allerdings lange wenig beachtet, da das Buch als einer der Schlüsselbeweise für frühe Kriegs- und Weltherrschaftspläne Hitlers galt.

Heute folgen die meisten Historiker Hänels These, dass die Gespräche eine Fälschung sind und keinen Anspruch auf Authentizität erheben können.

Bedeutender war Hermann Adolf Reinhold Rauschnings Versuch einer Faschismustheorie aus konservativ-bürgerlicher Sicht, in der er den Nationalsozialismus in seinem Wesenskern nihilistisch als Folge der Entchristlichung der Gesellschaft erklärte.

Schriften

Musikgeschichte Danzigs, Dissertation Universität Berlin, Berlin 1911
Geschichte der Musik und Musikpflege in Danzig. Von den Anfängen bis zur Auflösung der Kirchenkapellen, Danziger Vlgsges. Rosenberg, Danzig 1931 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens; 15)
als Herausgeber: Posener Drucke, erster Druck: Nicolaus Coppernicus aus Thorn. Über die Umdrehungen der Himmelskörper. Aus seinen Schriften und Briefen, Posen 1923
Die Entdeutschung Westpreußens und Posens. Zehn Jahre polnische Politik, Berlin 1930. Neuausgabe/Nachdruck 1988 bei Hobbing, Berlin u.d.T.: Die Abwanderung der deutschen Bevölkerung aus Westpreußen und Posen 1919–1929.

English: Hermann Rauschning - 3rd President of...

English: Hermann Rauschning – 3rd President of the Free City of Danzig Senate. Polski: Hermann Rauschning – 3-ci prezydent Senatu Wolnego Miasta Gdańska. (Photo credit: Wikipedia)

Die Revolution des Nihilismus. Kulisse und Wirklichkeit im Dritten Reich, Europa Verlag, Zürich/New York 1938
Hitler Speaks. A Series of Political Conversations with Adolf Hitler on his Real Aims, Thornton Butterworth, London 1939
Gespräche mit Hitler, Europa Verlag, Zürich und New York 1940
Make and Break with Hitler, Secker & Warburg, London 1941
The Beast from the Abyss, William Heinemann, London 1941
The redemption of democracy: The coming Atlantic empire, Literary Guild of America, New York 1941
The Conservative Revolution, Putnam’s Sons, New York 1941
Men of Chaos, Putnam’s Sons, New York 1942
Die Zeit des Deliriums, Zürich, Amstutz Verlag, Herdeg & Co 1947
Deutschland zwischen West und Ost, Christian-Verlag, Berlin, Hamburg, Stuttgart 1950
Ist Friede noch möglich? Die Verantwortung der Macht, Vowinckel-Verlag, Heidelberg 1953
Masken und Metamorphosen des Nihilismus – Der Nihilismus des XX. Jahrhunderts, Humboldt-Verlag, Frankfurt am Main / Wien 1954
…mitten ins Herz: über eine Politik ohne Angst (mit H. Fleig, M. Boveri, J.A. v. Rantzau), Karl H. Henssel Verlag, Berlin 1954
Die deutsche Einheit und der Weltfriede, Holsten, Hamburg 1955
Ruf über die Schwelle. Betrachtungen, Katzmann Verlag, Tübingen, 1955
Der saure Weg, Käthe Vogt Verlag, Berlin 1958
Mut zu einer neuen Politik, Käthe Vogt Verlag, Berlin 1959

Literatur

English: Dust jacket of the book Mein Kampf, w...

English: Dust jacket of the book Mein Kampf, written by Adolf Hitler. Courtesy of the New York Public Library Digital Collection. (Photo credit: Wikipedia)

Wolfgang Hänel: Hermann Rauschnings »Gespräche mit Hitler« – Eine Geschichtsfälschung. Veröffentlichung der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt, 7. Bd. 1984.
Jürgen Hensel, Pia Nordblom (Hrsg.): Hermann Rauschning. Materialien und Beiträge zu einer politischen Biographie. Fibre-Verlag Osnabrück 2003, ISBN 3-929759-61-6.
Theodor Schieder: Hermann Rauschning »Gespräche mit Hitler« als Geschichtsquelle. Westdeutscher Verlag, Opladen 1972
Fritz Tobias: Auch Fälschungen haben lange Beine. Des Senatspräsidenten Rauschning „Gespräche mit Hitler“. In: Karl Corino (Hrsg.): Gefälscht! Betrug in Politik, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Musik. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-8218-1131-5.

Weblinks

Literatur von und über Hermann Rauschning im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Bernd Lemke: Rezension zu: Rauschning, Hermann: Gespräche mit Hitler. Mit einer Einführung von Marcus Pyka. Zürich 2005. Nachdruck der ungekürzten Erstfassung Europa Verlag AG. In: H-Soz-u-Kult, 2. August 2006, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de
Einzelnachweise [Bearbeiten]
↑ Marek Andrzejewski: Hermann Rauschning. (PDF) Danzig Naturforschende Gesellschaft
↑ So zum Beispiel Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 872.

Hitler (left), standing behind Hermann Göring ...

Hitler (left), standing behind Hermann Göring at a Nazi rally in Nuremberg (c. 1928) (Photo credit: Wikipedia)

↑ Ian Kershaw: Hitler 1889–1936. Hubris, London 1998, S. xiv.
↑ Henning Köhler: Deutschland auf dem Weg zu sich selbst. Eine Jahrhundertgeschichte. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2002, S. 338
↑ Richard Steigmann-Gall: The Holy Reich. Nazi Conceptions of Christianity, 1919–1945. Cambridge University Press, S. 29.
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Präsidenten des Senates der Freien Stadt Danzig (1920–1939)

Heinrich Sahm | Ernst Ziehm | Hermann Rauschning | Arthur Greiser

Kategorien: NSDAP-Mitglied
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One Response to Hermann Adolf Reinhold Rauschning

  1. Karl Dönitz - wir machen weiter sagt:

    Reblogged this on alexanderplatz 1 berlin – wir sehen uns und kommentierte:

    Hermann Adolf Reinhold Rauschning – Aufsehen erregte sein Buch Gespräche mit Hitler, die sich später großteils als Erfindung herausstellten:
    Rauschning hatte kaum jemals mit Hitler gesprochen. Am 21. Mai 1924 wurde er in Posen in die Freimaurerloge Zum Tempel der Eintracht aufgenommen.

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